
Irgendwo im Nirgendwo – Ladakh/Himalaya
Juni 10, 2008Jetzt wirds aber langsam Zeit fuer Reiseanekdoten, los gehts!
Nachdem der geilste Club der Welt, der FC aus Kaiserslautern, souveraen den Klassenerhalt geschafft und ich ne spontane Bierdusche auf unserm Balkon veranstaltet hatte, gings auch schon zum Flughafen. Den besten Kumpel aus Ochtendung aufgegabelt und erstmal 4 Stunden im Flughafen fuer Inlandsfluege die Raumlichkeiten gecheckt. Raumlichkeiten meint dabei Toiletten und Kaffeebar, mehr gabs nicht zu erkunden.
Ein paar Stunden spaeter halten wir kurz die Luft an und steigen auf 3500m in Leh aus dem Flieger. Nachdem wir wieder mit dem Atmen angefangen haben folgt die Feststellung, dass wir keinerleie Hoehenprobleme haben und im uebrigen auch den ganzen Trip lang keine bekommen sollten.
Ins Hotel eingecheckt und sofot die Gegend erkundigt. Erste Feststellung: verdammt steile Strassen hier. Zweite Feststellung: die ausgeschilderte „Abkuerzung“ zum alten Palast in Leh ist noch steiler. Der Palast trohnt ueber der Stadt und gibt einen einen ersten Eindruck von den Bergen rund um Leh. Bis auf 6100m strecken sich diese in die Hoehe und sind fuer Flachlandrheinlaender ganz schoen beeindruckend.
Ueber dem Palast befindet sich ein kleines buddhistisches Kloster, welches natuerlich auch sofort untersucht wird. Sollte ich erwaehnen, dass der Weg dorthin verdammt steil war?
Im Hotel zurueck gilt es, dass lokale Essen naeher zu untersuchen. Keine Ueberraschungen hier: gewohnte indische scharfe Kost. Einer in unserer kleinen Reisegruppe hatte enorme Probleme mit der Schaerfe. Ich darf den Hinweis geben, dass ich es nicht war ![]()
Womit ich allerdings erstmal Probleme hatte: gefuehlte arktische Temperaturen im Speisesaal. Da war ich wohl zu lang in Delhis Sonne unterwegs. Allerdings war ich nicht so eingemummelt wie die indischen Touris. Die kamen teilweise in Sturmhauben in den Raum. Aber Hauptsache auf Sturmhaube und Winterjacke werden Flip Flops getragen!?
Die Tage 2-4 verbrachten wir mit ausgiebigem buddhistischem Kulturprogramm. Gefuehlte 34 Kloester haben wir waehrend der gesamten Tour gesehen. Alle verziert mit wunderbaren Wandmalereien und gepraegt von einer unglaublich friedvollen Atmosphaere. Teilweise schien die Zeit waehrend den Gebeten der Moenche stillzustehen.
Kleiner Tipp am Rande: keine Trekkingschuhe waehrend den Besuchen anziehen. Du wirst vor lauter An- und Ausziehen bekloppt. Dafuer kannst du die fetten Treter spaeter im Schlaf zubinden.
Genug Kultur fuers Erste: jetzt gings ans Eingemachte. 4 Tage Trekkingtour im Nirgendwo. Steile Berge, Mittagshitze, enge Pfade, wenig bis gar keine Zivilisation, atemberaubende Landschaft: sauber! Das hiess allerdings auch: 4 Tage keine Kloschuesseln, sondern Erdloecher. Keine Heizung, dafuer arschkalte Uebernachtungen im Zelt. Keine Duschen, aber dafuer Gletscherbaeche mit vielleicht 5 Grad warmen Wasser. Dann doch lieber 4 Tage ohne Dusche ![]()
Nach 4 Tagen fernab der Zivilisation ging es in eine Hotelanlage, die Karibikcharme verspruehte. Ueberall kleine Huetten fuer die Gaeste und eine Bar mittendrin unter Strohdaechern. UND DUSCHEN!
Die hatten sogar warmes Wasser und als wir dann feststellten, dass es in der Bar genug Bier fuer halb Kashmir gab war es um uns geschehen. Die Rechnung fuehrte am Ende 23 0,6Liter Kingfisher Flaschen auf. Wir hatten schliesslich den nicht vorhandenen Konsum der letzten Tage aufzuholen… Prost!
Zurueck in Leh ging es auf Tour ins Nubra Valley. Diese entlegene Gegend kann man ueber 2 Wege erreichen.
Erste Moeglichkeit: den Weg aus Pakistan ueber den Siachen Gletscher. Dieser ist der laengste Gletscher in Indien/Pakistan. Bekannt allerdings vor allem deswegen, weil sich dort Pakistan und Indien seit 1984 auf knapp 6000m auf dem hoechsten Schlachtfeld der Welt gegenueberstehen. Ein gewisser General Musharraf durfte sich in den 80er Jahren mehrmals erfolglos um Landgewinn fuer die pakistanische Seite bemuehen. Vor dem Waffenstillstand in 2003 hat Pakistan dort laut Angaben von Wikipedia jeden vierten und Indien jeden zweiten Tag einen Soldaten verloren. Waffenstillstand heisst uebrigens nicht, dass dort nicht noch ab und an kleinere Scharmuetzel stattfaenden.
Zweite Moeglichkeit: von der indischen Seite ueber den hochsten befahrbaren Pass der Welt, den Khardung La auf 5500m Hoehe. Nach recht kurzem Ueberlegen gings im Jeep los zum Khardung La.
Knapp ueber 4000m setzt Schneefall ein und die ohnehin nicht gerade gute Strasse wird zum ultimativen Belastungstest fuer Stossdaempfer und Bandscheiben. Ab und an gibt es Gegenverkehr und man muss kurz vor dem Abgrund ruckwaerts hin und her rangieren, damit die Trucks von der anderen Bergseite vorbeikommen ohne dem eigenen Jeep einen Freiflug ins Tal zu verpassen.
Oben angekommen ist es saukalt und der heftige Wind traegt auch nicht gerade zur Erwaermung bei. Selbstverstaendlich kannten wir keine Gnade gegenueber uns selbst und sind im Thekenmannschaftstrikot zum obligatorischen Fototermin vor der Hoehenangabe erschienen. Wir haetten allerdings lieber Bilder von den Gesichtsausdruecken der um uns herum stehenden Inder machen sollen. Koennten Gesichter sprechen waeren wohl Kommentare wie „schmerzbefreit“, „ich kanns nicht fassen“ oder „ihr habt den groessten Dachschaden auf der Nordhalbkugel“ gefallen. Wobei, ich glaube diese Kommentare sind tatsaechlich gefallen, wir haben sie nur nicht verstehen koennen…
Im Nubra Valley angekommen ging es gleich wieder auf Kulturtour zu diversen Kloestern. Eine ganz besondere Ehre wurde uns zu teil als wir eine Privataudienz beim neuen Head Lama von Spituk erhielten. Lustigerweise spielte der Head Lama bei unserem Empfang mit einem Kipplaster, trug zu grosse Klamotten, konnte allein nicht die Treppen runtergehen und war insgesamt recht uninteressiert am Empfang von zwei grossen weissen Europaern. Aber fuer einen Zweijaehrigen konnte er einem ziemlich gut ueber die Stirn streichen, wenn man sich vor ihm verbeugt hat
(und vor ihm verbeugt sich jeder praktizierende Buddhist der ihn trifft).
Was erwartet man eigentlich auf ueber 3500m Hoehe anzutreffen? Ne Menge Schnee, Steine und Berge, duenne Luft, vielleicht auch noch einen Yeti. Aber woran denkt man natuerlich auch sofort, wenn man im Himalaya ist? Richtig, an Kamele und eine Sandwueste. Beides gibt es zu zumindest im Nubra Valley. Gut, kein Vergleich zu Gobi, Sahara und Co, aber richtige Duenen gab es zumindest.
Auf der Rueckfahrt ueber den Pass durften wir Teil des wahrscheinlich hoechstgelegenen Staus der Welt werden. Auf knapp 5000m ging erstmal gar nichts mehr. Genug Zeit fuer uns um mit grossen Eiszapfen und Schneebaellen rumzualbern. Auch durften wir uns ladhakische Musikvideos im eingebauten DVD Player (!) unseres Jeeps anschauen. Kennt noch jemand die peinlichen Eurodance Videos aus den 90ern von Ikonen wie Dr. Alban, Snap, Haddaway oder DJ Bobo? Die wuerden im Vergleich alle einen Oscar fuer perfekte schauspielerische Leistungen abraumen. Wobei wir trotzdem einige Minuten hinschauten und vor lauter Lachen Bauchweh bekamen. Mein persoenlicher Liebling ist der Regisseur des Videos, welches permanent einen Armeesoldaten bei Anbaggerversuchen zeigt. Dabei sieht er aus wie der typische suedamerikanische Drogendealer und wackelt dermassen bescheuert durchs Bild, dass man vor lauter Lachen nur noch heulen kann. Wer sich sowas ausdenkt und damit alle anderen auch nicht gerade tollen Videos um Laengen uebertrifft, dem gehoert der Schmerzbefreit-Ehrenaward in Platin verliehen.
Alles in allem ein wuerdiger Abschluss einer spitzen Tour.
Der Bericht aus Kashmir kommt dann hoffentlich morgen. Bilder von beiden Trips gibts bereits in der Bildersektion.