
Was für zwischen die Kiemen
April 30, 2008Nach langer Zeit mal wieder ein Eintrag. Einige hatten sich wohl schon gefreut, dass „der Typ endlich aufhört zu bloggen“ (Urheber möchte ungenannt bleiben), aber den Gefallen tu ich euch nicht ![]()
Einige eifrige Leser haben mir geschrieben, dass ich immer „so negativ“ schreiben würde. Erstens finde ich es klasse, dass es tatsächlich tapfere Menschen gibt, die diesen Blog regelmäßig lesen. Danke dafür. Und zweitens war es nie meine Intention irgendetwas übertrieben negativ darzustellen. Ich hoffe, dass ich nicht bei allen diesen Eindruck erweckt habe. Falls doch: was juckt es die Eiche, wenn sich der Eber dran kratzt?
Außerdem wollte ich am Wochenende einen durch und durch positiven Bericht verfassen. Leider musste ich mir aber ein kurzfristiges 48 Stunden Timeout nehmen, da ich durch den Genuss irgendeiner Köstlichkeit ans Bett (und an die Toilette) gefesselt wurde. Taktisch klug ging somit mein ganzes Wochenende für das Auskurieren einer mittelschweren Magenverstimmung drauf. War es also nicht weit her mit meinem in Skype großspurig angekündigten Partywochenende. Während sich meine Mitbewohner auf diversen Parties vergnügten, fieberte ich (nie war das Wort passender) daheim schweißgebadet und manchmal auch von Kälteschüben gebeutelt mit meinem FCK mit.
Lustigerweise sollte mein geplanter Eintrag von der großartigen indischen Küche handeln. 5 Tage später lobe ich sie trotzdem. Also, los geht’s.
Zur Standardfrage: ja, das Essen ist scharf und würzig.Es kann also durchaus vorkommen, dass man schweißgebadet in der Küche sitzt, während alle anderen Kollegen in Ruhe ihre Mahlzeit verspeisen. Gott sei Dank haben die Kollegen immer wieder aufs Neue Mitleid mit mir und geben mir großzügig von ihren Speisen ab. Natürlich nicht, ohne ein paar Witze auf meine Kosten zu reißen, aber das habe ich wohl verdient.
Nach knallharter Evaluation habe ich daher meine Essensbestelltaktik umgestellt. Bis vor kurzem sah diese wie folgt aus: in Absprache mit einer Gehirnhälfte schnellt der rechte Zeigefinger empor, vollführt im blinden Verständnis mit dem Handgelenk einige Kreisbewegungen und schnellt dann blitzschnell hinunter auf die Karte. Was getroffen wird, wird bestellt. Die Augen haben dabei Pause und bleiben geschlossen.
Als alter Taktikfuchs bin ich natürlich mit mir selbst in Klausur gegangen. Et voila: Problem erkannt, Gefahr gebannt!
Die neue Taktik basiert auf einem breiteren Ansatz und involviert neben den Augen sogar ab und an das komplette Gehirn. Seitdem habe ich weniger Schweißausbrüche, aber wie oben beschrieben auch die erste Magenverstimmung abgestaubt. Bleibt also noch Raum für Verbesserungen.
Was kann ich also nach wochenlangen intensiven Tests empfehlen?
- Tandooris jeglicher Art. Ob Huhn oder Lamm oder Hammel, bislang immer tipp topp.
- Kebabs (Kababs). Haben nix mit Döner zu tun, sondern bestehen in der Regel aus Huhn und sind ca. 10 cm lang.
- Gravy Mutton/Chicken. Fleischstücke in seeehr fettreicher, aber einfach leckerer Sauce. Meistens riesen Portionen und daher die optimale Grundlage für ein ausgiebiges alkoholgeschwängertes Abendprogramm.
- Aloo Gerichte. Aloo sind nichts anderes als Kartoffeln. Pur bekommt man diese aber nie, sondern zusammen mit jeder Menge anderen Gemüsesorten, mal scharf, mal weniger scharf. Die unscharfe Variante ist perfekt um den aufkommenden Schweißausbruch einzudämmen.
- Dazu jeweils Rotis oder Kulchas. Rotis ähneln dem Fladenbrot, das man vom Dönermann daheim kennt, sind aber dünner. Kulchas sind dem Fladenbrot auch nicht unähnlich, aber entweder mit Kräutern und/oder etwas Fleisch belegt.
- Als Standardsauce, die man mit allem kombinieren kann (quasi das Maggi der indischen Küche): Mintsauce. Schmeckt meiner Meinung nicht unbedingt nach Minze, ist aber immerhin grün.
Außer Konkurrenz läuft chinesisches Essen. Ich habe noch nie so gut chinesisch gegessen wie hier. Ein Fest für den Gaumen.
Was gar nicht geht:
- Dominos Pizza. Ein Pizzalieferdienst nach westlichem Vorbild, wo die Pizza aber nur nach etwas schmeckt, wenn man die 5-6 Packungen Oregano auf den Belag donnert, die immer mitgeliefert werden (die wissen wohl warum).
- Dosas. Südindisches Crepe, das für mich meistens nach Papier schmeckt und nicht satt macht (trotz diverser Saucen). Andere schwören darauf und bezeichnen mich regelmäßig der Ketzerei. Tut mir leid, nicht mein Fall.
Wer in dieser Auflistung nicht fehlen darf ist der Essensimperialist aus den Staaten: McDonalds. Hier gibt es natürlich keine Schweine- oder Rinderburger, dafür Huhn, Fisch oder komplett vegetarische Menüs. Zweimal war ich bislang im Restaurant zum goldenen M und man kann nicht sagen, dass es schlecht schmecken würde, es haut einen aber auch nicht vom Hocker. Der McMaharaja dient hier als BigMac Ersatz und ist zumindest gut gewürzt. Zerfällt aber beim Reinbeißen recht schnell in seine Bestandteile. Der McChicken hat ungefähr die Größe eines Doppel Cheeseburgers und triefte bei meinem Test vor Mayonaise. Alles in allem fast wie in Deutschland: kann man mal essen, muss man aber nicht regelmäßig haben.
Achja, die Pommes scheinen bei McD weltweit gleich labberig zu sein.
Kleines Gimmick am Rande: McDonalds hat hier einen Lieferservice.
Kurzes Wetterupdate: heiß!!! Das einzig positive ist, dass man mit Rikshaws nun sicherer unterwegs ist. Man klebt nämlich nach 10 Minuten am Sitz fest und stößt sich daher nicht mehr so leicht den Kopf bei Schlaglöchern.
Herrlich… bezüglich des Essens sehe ich mich in 3 Wochen schon am Hungertuch nagen….
Mal gespannt, wieviele Kilos ich in der Zeit runter “trainieren” werde…
Jo, also Maeckes im Himalaya wird schwierig. Bring dir ein paar Snickers mit