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Von Fackeln und Filtertüten

April 20, 2008

Die Fackel ist seit einigen Tagen wieder weg, richtig gesehen hat sie ohnehin niemand. Und vermissen wird sie wohl auch niemand, denn die einzig bleibenden Erinnerungen an das ganze Bohei rund um das Event werden für den durchschnittlichen Bewohner Delhis die Staus sein, die aufgrund der Sperrung des Areals rund um die Fackelroute entstanden und die Stadt nahezu lahm legten.Am Ende dauerte der „Lauf“ eine halbe Stunde, umfasste 65 Läufer, wurde von 21.000 Securities (Polizei, Para-Militärs, Armee) gesichert und von 50 Schulkindern beklatscht. Dann standen natürlich noch die VIPs und die chinesischen Propagandamarionetten am Ende der Strecke, die hat allerdings nach meinem Kenntnisstand niemand gezählt.
Da die Strecke nur 2,3 km lang war, hatte jeder Läufer das Privileg die Fackel für 35 Meter zu tragen. Läufer sollte man dabei allerdings in Anführungszeichen setzen, denn außer einem lockeren Joggen war für die Träger nicht viel drin. Einerseits wollten sie vielleicht gar nicht schneller laufen, schließlich muss es ihnen ja gefallen haben an dieser Farce teilzunehmen und andererseits wäre ein schnelles Vorpreschen wahrscheinlich auch daran gescheitert, dass die ca. 20 Mitglieder einer Sondereinheit, die ein menschliches Schild um die Fackel bildeten, das Tempo vorgaben.323 Verhaftungen wurden registriert, immerhin gab es keine der befürchteten Selbstverbrennungen und der Grossteil der Demonstranten in der Stadt blieb friedlich.

Nachdem ich in der letzten Woche endlich vernünftiges Kaffeepulver gefunden habe und somit kein Sklave von Nescafe Instant Coffee mehr bin, konnte ich am Wochenende auch tatsächlich Filtertüten erwerben. Unsere Kaffeemaschine hat einen herausnehmbaren Filter, den man nach jedem Kochen reinigen muss. Das ist erstens ziemlich nervig und zweitens in meinen Augen eine ziemliche Wasserverschmutzung. Also war ich in Vasant Vihar (Stadtteil in Süd Delhi) unterwegs weil es da einen Supermarkt nach europäischem Vorbild gibt. Beim Schlendern durch die Regalgassen wurde ich wie gesagt auch fündig. „Filtertüten“ stand auf der Packung, „Größe 4“. Cool, her damit! Äähm bitte? „Filtertüten Größe 4“ ist deutsch und ich bin doch soweit ich weiss immer noch in Indien? Tatsächlich stehen in diesem kleinen Supermarkt deutsche Qualitätsfiltertüten, hergestellt für ALDI, im Regal. Und kosten auch nur schlappe 195 Rupien, was bei aktuellem Wechselkurs etwas mehr als 3 Euro sind. Ich gehe mal sehr stark davon aus, dass Aldi keine offiziellen Verbindungen zu diesem Markt hat, die Tüten also irgendwer aus Deutschland geschickt oder mitgebracht hat, und, dass ich dieselben Tüten im ALDI um die Ecke deutlich günstiger bekomme. Aber was solls, ist gekauft. Wer nicht glauben will, was ich hier schreibe, der kann sich gern anhand der Bilder überzeugen (ganz runterscrollen).

Ebenso überrascht war ich, als ich etwas später beim Kauf eines Feuerzeugs an einem Kiosk ein FC Bayern Logo erspähte. Zumindest sollte das eins sein. Denn entweder schreibt man München in China (da kommt das Feuerzeug her) tatsächlich Munjychen, oder es ist ein Fake. Die Verbindung aus nicht gerade verkaufsfördernder Lage des Kiosks (Seitengasse, verdreckt, Bruchbude) und des Preises des Feuerzeugs (15 Rupien) lassen mich zu dem Schluss kommen, dass es sich hier womöglich nicht um ein offizielles vom FC Bayern lizenziertes Produkt handelt. Haha, Uli Hoeness. Während ihr daheim den DFB Pokal gewinnt, werden mit eurem Namen hier unten Geschäfte gemacht und ihr seht keinen müden Euro davon. Das nenne ich zumindest ansatzweise ausgleichende Gerechtigkeit, wobei ich aber auch glaube, dass das den Uli H. wirklich nicht die Bohne interessiert und, dass ich viel lieber meinen Verein in Berlin gesehen haette. Aber wir sind dieses Jahr (also wie die letzten 10 Jahre auch schon) auf dem leicht absteigenden Ast und haben leider gerade alle Hände voll zu tun um irgendwie die Existenz des Vereins zu sichern. Daher haben wir uns konsequent bereits in der zweiten Pokalrunde dazu entschieden, ziemlich peinlich bei Rot Weiss Essen auszuscheiden. Aber nun genug von Fußball.

Gestern war ich dann auch endlich in Agra. Wer nicht weiß, was es da gibt, der schaue bitte die Bilder des Taj Mahal und des Red Forts in der Galerie.

@Alex Z.: ich muss mich leider korrigieren, es waren statt 46 nur 42/43 Grad in Agra. Was aber im Endeffekt nicht wirklich einen Unterschied ausgemacht hat.

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