
Ein bischen Frieden, ein bischen Freiheit,…
April 16, 2008Morgen kommt das olympische Feuer nach Indien, genauer gesagt nach Neu Delhi. Wie auch in den anderen Staaten, wo es bislang mehr oder weniger gut sichtbar praesentiert wurde, gab es auch in Indien eine heisse Debatte ueber den Fackellauf.
Fuer grosses Aufsehen sorgte hier der Verzicht von Bhaichung Bhutia, Indiens Fussballkapitaen, am Fackellauf teilzunehmen. Bhutia ist selbst tibetischen Ursprungs und wolle mit dem Verzicht gegen Indiens Tibetpolitik demonstrieren. Das fuehrte dann zu einer breiten Debatte inwieweit die olympischen Spiele als Plattform zu politischen Statements benutzt werden sollen/duerfen. Bis hierhin also alles in etwa so, wie in Europa was die Diskussion anbelangt.
Eine neue Dimension duerfte aber wohl das Aufgebot von Sicheheitskraeften und -massnahmen darstellen, die morgen fuer einen reibungslosen Ablauf sorgen sollen.
Indien (genauer: Dharamsala) ist der Exilsitz des Dalai Lama und des tibetischen Exilparlaments. Die groesste tibetische Diaspora findet man in Indien. Tibetische Protestanten haben es vor einigen Wochen geschafft auf das Gelaende der chinesischen Botschaft vorzudringen. Wobei man nicht so genau weiss, ob das an dem guten Plan der Protestanten oder an der Schlafmuetzigkeit der indischen Polizisten, die rund um das (verdammt grosse) Areal der chinesischen Botschaft positioniert sind, lag. Auf jeden Fall fand die chinesische Regierung das gar nicht feierlich und zitierte die indische Botschafterin in Peking mitten in der Nacht aus dem Bett und zum Rapport. Das wiederum empfanden die BJP (hindu-nationalistische Oppositionspartei, ganz miese Typen…) Politiker als Affront und beschuldigten die amtierende indische Regierung vor China zu kuschen. So gingen einige Tage mit Wortgefechten ins Land und nebenbei hat die chinesische Politik auch nicht dazu beigetragen, dass die indische Bevoelkerung sie als furchtbar liebenswert empfindet.
Um also weder von indischen/tibetischen Protestanten ueberrascht zu werden und um China zu zeigen, dass man seine Sicherheitsinteressen ernst nimmt, hat die Regierung die Fackel-Route zur Sperrzone erklaert. Insgesamt 2,3 km (sollte vorher laenger sein) wird die Fackel zwischen den zentralen Regierungsgebauden und dem India Gate auf dem so genannten Rajpath getragen. Der Rajpath ist die Strasse, die die erwaehnten Bauwerke schnurgerade verbindet und auf der jaehrlich die grosse National Day Parade abgehalten wird.
Ich weiss ja nicht, wie es andere empfinden, aber fuer mich war das olympische Feuer immer ein Symbol von Frieden und Freiheit. Daher ohne Kommentar die Zahlen und Fakten der Sicheheitsvorkehrungen:
Zugangskontrollen
Verkehr rund um Rajpath wird natuerlich gestoppt
Maschen- und Stacheldrahtabgrenzungen auf der kompletten Route
15.000 Polizisten
Ob man aufgrund solcher Vorkehrungen auf die Idee kommen koennte, dass China in Sachen Menschenrechtspolitik irgendwas grundsaetzlich missverstanden hat?