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Happy New Year!

April 14, 2008

Nein, ich bin nicht stockbesoffen und habe jedes Zeitgefuehl verloren. Ich feiere zusammen mit den Punjabis, Bengalesen, Malayen, Tamilen und einigen anderen heute das Neujahrsfest. Irgendwas ist allerdings schief gelaufen, denn im Gegensatz zu den meisten Indern sitze ich heute im Buero und recherchiere zum Thema chinesisch-indische Beziehungen. Naja, ich habe ja auch erst heute morgen erfahren, waehrend ich mich ueber den erstaunlich geringen Verkher wunderte, dass heute Neujahr ist. Ich kann den Tag im Buero also verschmerzen.
Die Hindus feiern heute zudem den Geburtstag von Rama (bitte, spart euch den offensichtlichen Kalauer!), einer von viieelen Goettern des hinduistischen Pantheons.
Und nicht zuletzt haette heute eine ganz besondere indische Persoenlichkeit Geburtstag gehabt.
Bhimrao Ramji (B.R.) Ambedkar waere heute 117 Jahre alt geworden (Link zur deutschen Wikipediaseite, die englische Variante ist allerdings um einiges ausfuehrlicher).
Ambedkar gilt als einer der Architekten der indischen Verfassung und war das bekannteste Gesicht der Dalit (Kaste der Unberuehrbaren) Bewegung. Um den Dalits zu mehr Rechten und Anerkennung zu verhelfen, geriet Ambedkar zB auch heftigst mit Gandhi aneinander. Der hatte naemlich die Vision eines doerflich gepraegten Indiens, waehrend Ambedkar dies vollkommen ablehnte, da das Dorf nur ein Zeichen der Unterdrueckung und Engstirnigkeit sei.
Zu Ehren Ambedkars werden heute viele Anzeigen in Tageszeitungen geschaltet, die zu Gedenkfeiern einladen. Beinahe jedes Ministerium, das auch nur ansatzweise etwas mit der Thematik zu tun hat, scheint eine eigene Feier zu organisieren. Ins Auge sprang mir heute morgen dabei die Anzeige des Ministry of Social Justice and Empowerment. Nicht, dass die Einladung aussergewoehnlich waere, aber der letzte kleingedruckte Satz liess mich schmunzeln. Dort steht: „Please do not bring prohibited articles such as bags, briefcase, (…), cellular phone, (…), firearms, swords and other objectionable items.“ :)

Vor einigen Tagen hatte ich vom Regen in Delhi berichtet und davon, dass die Strassen recht schnell mit Wasser volllaufen (auch hier gilt: spart euch den billigen Witz). Dazu hatte ich dieses Foto gepostet. Nun stellte sich heraus, dass der Regen gar nicht ursaechlich fuer diesen Teich war. Denn selbst heute bei 38 Grad und keiner Wolke am Himmel ist die Strasse noch immer ueberflutet. Seit ueber einer Woche scheint eine Leitung gebrochen zu sein und so laufen Tag fuer Tag etliche Liter auf die Strasse und lassen in Verbindung mit den unzaehligen Blaettern der Baume eine stinkige Bruehe zurueck. Weniger auf Grund der offensichtlichen Wasservergeudung, sondern eher weil ich mich desoefteren durch das an die Strasse angrenzende Gebuesch kaempfen muss, beschloss ich heute bei der Stadtverwaltung anzurufen und mich offiziell zu beschweren. Dazu muss man wisen, dass die indische Buerokratie, meistens zurecht, als unfaehig und laaaaaangsam gilt. Eine ausgewogene Erklaerung dafuer wuerde den Rahmen sprengen, ich empfehle aber immer wieder gerne ‘In Spite of the Gods’ von Edward Luce zu diesem und vielen anderen Themen (natuerlich nur indienspezifisch).
Nachdem ich erstmal beim falschen Department gelandet bin (meine Schuld), wurde ich weitervermittelt und durfte meine Beschwerde vortragen. Natuerlich habe ich leicht uebertrieben, in Wirklichkeit ist natuerlich nicht die Haelfte der Strasse ueberschwemmt und sonderlich gefaehrlich ist die Situation auch nicht, aber ich dachte das verleiht meinem Anliegen etwas mehr Nachdruck. Die Kollegen im Buero meinen, dass ich viel zu unwichtig sei, als dass sich irgendwer dafuer in der Verwaltung in Bewegung setzen wuerde. Da muesse sich schon einer der Chefs der ansaessigen Firmen beschweren, sonst wuerde erstmal gar nichts geschehen. Ich soll aber sofort berichten, wenn ich irgendeine Form der Rueckkmeldung erhalte.
Also warten wir mal ab…

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