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Der taegliche Wahnsinn – Verkehr in Delhi

März 27, 2008

Die gute Nachricht vorweg: in Delhi fahren die ca. 100000 Rikshaws + die staedtischen Taxis und Busse mit Gas.
Die schlechte Nachricht gleich im Anschluss: das hilft nicht!

Okay, wuerden die staedtischen Transportmittel wie frueher noch mit Diesel fahren, waere man im taeglichen Verkehr noch aermer dran. Aber auch so ist Delhi laut Wikipedia die Stadt mit der zweitgroessten Luftverschmutzung weltweit (die Krone geht in diesem Contest an Kairo). Und diese Verschmutzung merkt man auch.Die ersten paar Tage hatte ich permanent rote Augen, wobei sich die Augen zum Glueck recht schnell an die neue Umgebung gewoehnen sonst wuerde ich immer noch wie ein Zombie im Rausch aussehen.
Bei einer Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern kann man natuerlich nicht erwarten, dass der Verkehr so reibungslos lauft wie in Ochtendung, allerdings kommen hier einige Faktoren erschwerend hinzu.

Erstens war die Stadt nie auf eine solche Verkehrsdichte ausgelegt. Die Strassen sind eigentlich permanent ueberlastet, traffic jams zu den Buerozeiten koennen einen den letzten Nerv rauben.
Zweitens gibt es fast keine Alternative zur Strasse: die neue Metro faehrt erst auf drei Linien. Bis 2010 sollen 2 neue Linien im Sueden Delhis hinzukommen. Puenktlich zu den Commonwealth Games sollen diese fertig sein. Daher sieht man im Sueden momentan vor allen Dingen eines: Baustellen. Da wird naemlich fleissig an den beiden neuen Linien gebaut, was den normalen Verkehr nochmals empfindlich beeintraechtigt. Bei mir im Buero glaubt uebrigens niemand, dass die Linien bis zu den Spielen fertig werden…

Drittens ist der Zustand der Strassen teilweise einfach erbaermlich (fuer Ochtendunger: stellt euch den alten Welschtalweg vor; fuer Heidelberger: Rohrbacher Strasse ab Weststadt/Suedstadt). Natuerlich sind die Strassen nicht durchgaengig hinueber, aber abseits der Hauptstrassen braucht man gute Stossdaempfer. Daher ist Delhi fuer Bandscheibengeschaedigte nicth geeignet. Eine Tour mit der Rikshaw bringt dich sofort in die Notaufnahme. Uebrigens sollte man ab einer Koerpergroesse von 1,85 in den Rikshaws ebenfalls aufpassen, da die reihenweise auftretenden Schlagloecher (Groesse zwischen Tennisbaellen und San Andreas Graben) einen unweigerlich mit dem Dach der Rikshaw kollidieren lassen. Zudem hat man als grosser Mitteleuropaeer nicht gerade viel Beinfreiheit und bei einem Duell zwischen Knie und Metallstange verliert man in der Regel. Daher: Augen auf im Strassenverkehr!

Eine wirkliche Besserung ist fuer den Verkehr in Delhi also nicht in Sicht. Dann kommt auch noch hinzu, dass die immer grosser werdende Mittelklasse nicht immer mit Scooter oder Rikshaw fahren will und sich irgendwann selbst ein Auto zulegen wird (Kleingeld vorausgesetzt natuerlich). Ergo: noch mehr Verkehr. Wenn man dann noch bedenkt, dass in diesem Jahr der Tata Nano eingefuehrt wird (ca. 1700 Euro) freut man sich schon richtig auf den kommenden Verkehrsinfarkt.

 Was faehrt hier so alles auf den Strassen?
Prinzipiell muss man sagen, dass es ein Kriterium gibt, das zur Teilnahme am Strassenverkehr berechtigt: das Vorhandensein einer Hupe bzw Klingel.
Total egal, wie viele Raeder das Gefaehrt hat, wie gross es ist oder wie schnell, du musst dich nur bemerkbar machen koennen.
Daher tummeln sich auf Delhis Strassen Fahrrader (mit und ohne integriertem Anhaenger), Gespanne, Scooter, Fahrradrikshaws, Motorrikshaws, Motorraeder, Autos (von ganz klein bis zum amerikanischen SUV), Transporter, Busse und LKW. LKW sind dann auch die einzige Authoritaet auf Delhis Strassen (Don’t fuck with the truck!), sind es doch sie, auf deren Kappe die meisten Unfaelle mit schlimmen Ausgang gehen. Laut Zeitungen liegt das daran, dass die Fahrer entweder uebermuedet und/oder betrunken sind, oder daran, dass sie fuer die Fahrt im Dschungel der Grossstadt schlicht nicht geschult sind (kann ja nicht jeder beim Schorsch in Ochtendung den Lappen machen ;-) ).
Auf das obligatorische Hupen muss ich wohl nicht schon wieder eingehen.

Vorgestern brauchte ich uebrigens geschmeidige 90 statt 30 Minuten zur Arbeit. Mein Fahrer meinte mich zur Delhi University bringen zu muessen, dabei muss ich zur Nehru University. Nicht, dass ich das vorher noch auf der Stadtkarte gezeigt haette… Naja, selbst schuld wenn man wahrend der Fahrt lieber MP3s hoert (natuerlich auf voller Lautstaerke, weil man ja den restlichen Laerm irgendwie uebertoenen muss) anstatt aufzupassen. Aber auch das haette wohl nicht viel geholfen, bin ich doch in Sachen Orientierung noch nicht auf der Hoehe. Aber der Natural Born Navigator wird auch dieses Baby noch geschaukelt bekommen.

 Abschliessend noch eine Liste meiner bevorzugten Songs auf dem Weg zur Arbeit:
Metallica – Fuel (passt einfach hervorragend zur Harakirifahrweise vor Ort)
Don’t cry for me Argentina (wenn man im Stau am liebsten mal wieder ins Lenkrad beissen moechte; bevorzugt wird die Liveaufnahme von Alexander K. gesungen in der Berliner U-Bahn nach dem WM Viertelfinale, leider liegt dieser Song momentan nicht in digitaler Form vor)
Gorillaz – 19-2000 (Soulchild Remix) (war schon im Escort Cabrio in der Heavy Rotation)
Depeche Mode – Enjoy the Silence (Name sagt alles)
Hevia – El garrotin (einfach zuruecklehnen und relaxen)

2 Kommentare

  1. Hallo,
    ich schreibe zurzeit eine Facharbeit ueber die Verkehrsentwicklung in Delhi.
    Ich wuerde mich freuen wenn sie mir bei gelegenheit ein paar (First-Hand)Infos schicken koennten.

    Mit freundlichen grueßen Robin Balser


  2. Im Grunde genommen ein brauchbarer Post, nur kannst du im nächsten Post n wenig umfassender schreiben? ;)



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